Die schöne Rote   Eine Tier(ohne)Schutz-Geschichte
      © AnnaFelicitas

             

 

An einem wunderschön sonnigen Tag ging eine Katzenfreundin mit ihrer heiß und innig geliebten roten Fellnase zu deren Tierärztin, um die fälligen Impfungen vornehmen zu lassen. Schon seit längerer Zeit träumt sie von kleinen, wuscheligen Fellnasen und hofft sehr, dass die schöne Rote ihr den so sehnsüchtig erwarteten Kindersegen bescheren wird. Sie hatte sogar bei ihrem letzten Tierarztbesuch mit der Ärztin über diesen Traum gesprochen. Bei diesem Termin hatte die Frau Doktor die wunderschöne Rote als Waldkatze/EKH-Mischling bestimmt. Heute nun, kaum lag die Begrüßung hinter ihnen, erkundigte sich die Tierärztin interessiert, ob unsere Katzenfreundin

inzwischen einen Kater für die Rote gefunden hätte und fügte an, dass ein Ragdoll-Kater ihrer Meinung nach gut passen würde!

 

Kaum zu Hause angekommen, begab sich unsere Katzenfreundin flugs an ihren PC und ergoogelte Ragdollzuchten. Nachdem sie eine in ihrer Nähe gefunden hatte, schrieb sie geschwind eine E-Mail, fügte Fotos der Roten bei und bot sie dem Züchter kurzerhand als "Katzenmutter" an.

 

Nachdem der Züchter sich vergewissert hatte, dass er nicht träumt, schrieb er unserer Katzenfreundin zurück. Er drückte sein Unverständnis über dieses Ansinnen aus und verwies auf die vielen, in Tierheimen lebenden Mischlinge. Sollte hinter ihrer Idee allerdings eine ernsthafte Zuchtbestrebung stecken, bat er sie darum, sich zunächst gründlich über die Rasse zu informieren, mit anderen Züchtern zu sprechen, einem Verein beizutreten, eine Cattery zu gründen - und (!!) registrieren zu lassen - und sich dann, in aller Ruhe, nach den richtigen Katzen umzusehen.

 

Diese sehr lobenswerten Informationen wurden von der engagierten Katzenoma in spe als scharfe Reaktion eines beschränkten Züchterhirns verstanden. Als Anthropologin verstünde sie die derzeitige Globasierung so, dass über kurz oder lang alle Rassen miteinander verschmelzen. Von Zucht und Rassenseparierung hielte sie überhaupt nichts. Obendrein wolle sie sich nicht den sonderbaren Regeln eines Vereins unterwerfen und züchten wolle sie aus den vorgenannten Gründen ja auch gar nicht. Sie ging sogar so weit, auf eine gewisse Person aus Österreich zu verweisen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 in Deutschland sehr umtriebig gewesen war ...

 

Was wollte sie uns wohl damit sagen? Stellt sie Züchter wirklich auf eine Stufe mit diesem Ungeheuer in Menschengestalt und seinem Rassenwahn? Wir können kaum glauben, dass sie es ernsthaft so gemeint haben könnte und hoffen, dass sie im Überschwang der Gefühle schlicht

und ergreifend einfach übers Ziel hinausgeschossen ist!

 

Wenden wir uns lieber der wunderschönen und charakterlich sehr liebenswürdigen Roten zu. Wie steht es denn nun um sie und ihre zukünftige Verplanung als Katzenmutter? Der Entschluss unserer empörten Katzenfreundin lautet wie folgt: Die freiheitsliebende Katze wird sich auch weiterhin ihren "Buben des Herzens" frei wählen dürfen. Unsere Katzenfreundin liebt ihre Tiere eben nicht nur, sie kümmert sich auch um sie und lässt es ihnen an absolut nichts fehlen. Auch nicht an übertragbaren Krankheiten wie FIV oder Leukose (FeLV), die beide tödlich enden und beim Geschlechtsakt oder bei Kämpfen übertragen werden.

 

Ganz sicher sorgt sie auch hervorragend für 1-9 knuddelige Lastramis (Landstraßenmixe), sofern sie diese überhaupt zu sehen bekommt. Selbstverständlich hat sie auch schon feste Zusagen gut informierter Katzenliebhaber, sodass keine Gefahr besteht, dass die Fellknäule im örtlichen Tierheim landen oder als - ebenfalls potente - Freigänger ihrer Mutter nacheifern.

 

Die wunderschöne Rote darf sich auch weiterhin dem Stress des Rollens hingeben. Gut versorgt wie sie ist, kann sie, wenn sie nicht belegt wird, jeden Monat rollen. Das macht aber nichts, denn davon bekommt unsere Katzenfreundin möglicherweise gar nichts mit. Viele Freigängerinnen bleiben in dieser Zeit nämlich oft einfach außer Haus.

 

Abwechslungsreich und gefährlich wird das Leben der zukünftigen Katzenmutter auch weiterhin sein. Sie wird ihren Radius, in dem sie sich üblicherweise bewegt, während der Brunst erweitern und zwangsläufig in die Reviere anderer potenter Katzen eindringen, die dies nicht unbedingt dulden werden. Kämpfe sind die Folge. Manche mit tödlichem Ausgang. Die meisten von ihnen verlaufen hoffentlich 'nur' mit kleineren oder größeren Blessuren. Von während der körperlichen Kontakte erworbenen Mitbringseln wie (möglicherweise krankheitsübertragenden) Flöhen, Milben und/oder hartnäckigen Hautpilzen, wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden.

 

Vielleicht läuft sie aber auch eines Tages, nur die Duftspur eines potenten Katers beachtend, vor ein vorbeifahrendes Autos. Diese Auseinandersetzung wird wohl nicht so glimpflich ausgehen.

 

Aber nicht nur sie lebt gefährlich ... Als Erstgebährende lässt sie ihren Wurf möglicherweise einfach liegen, weil sie nichts mit ihm anzufangen weiß. Oder sie stirbt mutterseelenallein während der Geburt, weil niemand da ist, der ihr helfen könnte. Woher soll unsere Katzenfreundin auch wissen, ob und wann ihre geliebte Rote belegt wurde? Sie war ja nicht dabei und kann deshalb ihren Liebling nicht rechtzeitig vor der anstehenden Geburt im Haus behalten. Stirbt die Mutter, sterben in so einem Fall natürlich auch die Babys. Könnte es einen sinnloseren Tod geben?

 

Der Roten ist beinahe zu wünschen, dass sie schwanger wird, denn geschieht dies nicht, rollt sie weiter und weiter, bis sich eine (wird sie nicht sofort behandelt) tödlich verlaufende

Gebärmutterentzündung einstellt.

 

Die Rote - ein wunderschönes Wesen, gefangen in einem von Menschen gemachten Teufelskreis!

 

 

Wer nun glaubt, dass diese Geschichte unserer lebhaften Fantasie entsprungen ist, irrt. Sie ist wahr. Leider!

 

Besonders erschütternd ist für uns dabei die Rolle, die die Tierärztin spielt. Sie scheint ein absolut unsinniges Anliegen uneingeschränkt unterstützen zu wollen, statt zum Wohle ihrer Patientin vorzugehen. Sie ist dazu zwar verpflichtet, doch offensichtlich ist ihr die Sympathie (und damit das Portemonnaie) des Frauchens wichtiger.

 

Sie hätte unsere Katzenfreundin darüber informiert können, was ihrem Liebling, als potenter Freigängerin, so alles passieren kann. Sie hätte auch auf die übervollen Tierheime, mit hunderten unvermittelter und oft auch nicht vermittelbarer Kitten, aufmerksam machen können. Vielleicht ist ihr dies auch für einen kurzen Moment in den Sinn gekommen und so hat sie womöglich beschlossen, dass ein Züchter ihre Aufgabe genauso gut erledigen und tierschützerisch aktiv werden könne. Dann ist er, im Falle einer Absage, der böse Fiesling und Sie behält ihre zahlende Kundin.

 

Diesen egoistischen Gedankengang hat Sie aber leider nicht ganz zu Ende gebracht ... Was wird unsere Katzenfreundin wohl machen, nachdem sie bei ein, zwei oder drei engagierten Züchtern abgeblitzt ist? Sie wird sich auf die Suche nach einer anderen Möglichkeit begeben. Davon ist ganz einfach auszugehen. Im Internet ist dann ruckzuck ein "Tierfreund" mit einem noch nicht kastrierten Kater gefunden. Da die Rote sich ihren Kater aber auch weiterhin selbst in ihrem Revier aussuchen darf, sind solche Anstrengungen vielleicht gar nicht nötig. So oder so - die Chancen für die Tierärztin stehen mehr als gut, dass sie der Roten schon bald wieder übers Köpfchen streicheln darf. Chapeau Frau Doktor!

 

 

Mögliche Entwicklung einer Katzenpopulation:

 

Nehmen wir einmal an , dass ein Katzenpaar zwei Würfe im Jahr hat, aus denen jeweils 3 Welpen überleben, welche sich ebenfalls fortpflanzen können. Der Einfachheit halber rechnen wir mit einem Verhältnis Katze:Kater von 50:50. Dann werden aus ursprünglich 2 Katzen nach 5 Jahren 962 (!) Katzen, welche fleißig mithelfen, die Population nach oben zu treiben. Wohin das führen kann, zeigt anschaulich unsere Katzenpyramide.

 

Einzige Lösung: Kastration der Freigänger und Verzicht auf eigene Zuchtversuche (... unsere Katze soll einmal Babys haben ...). Mehr hierzu auf unserer Tierschutzseite und weiter unten über den ersten Button. Sie werden weitergeleitet auf die Seite von Ciara's Ragdolls mit dem Titel "Nur mal einen Wurf... oder: wir wollen auch mal züchten / Katzenzüchter werden".

 

 

 

 

Wir widmen diese Geschichte dem Tierschutz. Diese Geschichte darf daher gern weitergegeben werden. Kommerzielle Zwecke sind hiervon natürlich ausgeschlossen! Fertigen Sie so viele Kopien an, wie Sie möchten und/oder stellen Sie sie auf Ihrer Webseite ein! Machen Sie bewusst, dass Tierschutz beim eigenen Tier beginnt und wahre Tierliebe darin besteht, die eigenen Wünsche dem Wohlbefinden des Tieres unterzuordnen! Sie dürfen natürlich auch gern das weitere Infomaterial unserer Tierschutzseite verwenden! Ihre AnnaFelicitas