Kittenkauf in Zeiten des "Geiz-ist-g..l"-Wahnsinns!

© AnnaFelicitas             

 

In früheren Zeiten zahlte man für Qualität mehr, denn sie hatte schon immer ihren Preis und das wusste man. Ob es das langersehnte Fahrrad, ein Paar guter Schuhe oder eine kleine Reise war, es war ganz selbstverständlich auf etwas zu warten, darauf zu sparen. Dies galt im besonderen Maße für Tiere sehr guter Züchter. Trotz aller Sparerei, der durchschnittlich verdienende Tierliebhaber konnte sich so ein besonderes Tier meist nicht leisten.

 

Dann kam der wirtschaftliche Aufschwung für jedermann. Vieles, auf das vorher lange, und manchmal auch vergeblich, gewartet wurde, wurde plötzlich erschwinglich. Man fuhr in den Urlaub, kaufte sich immer größere Autos, verspeiste an sieben Tagen in der Woche riesige Fleischberge, suchte Hunde oder Katzen nach der jeweiligen Mode aus, und ließ es sich so richtig gut gehen. Unangenehme Begleiterscheinungen wie Umweltverschmutzung und Übergewicht nahm man als (von Gott) gegeben hin. Durch unverständiges Züchten entstandene HD-geplagte Hunde und Katzen ohne Nasen. Rassetiere wurden zu Statussymbolen der kleinen Leute. Wenn es schon nicht der Mercedes oder ein Farbfernseher sein konnte, dann doch wenigstens eine ausgefallene Katze, welche sich deutlich von Bauers Minka unterschied.

 

Einige Jahre später musste der Gürtel zwar wieder ein wenig enger geschnallt werden, aber Dank der Erfindung des Internets wurde 'Preisevergleichen' innerhalb kürzester Zeit zum beliebten Volkssport und viele konnten sich auch weiterhin Dinge, auf die sie sonst hätten sparen oder womöglich verzichten müssen, immer noch leisten.

 

Zusätzliche Unterstützung kam vom Gesetzgeber: Der ließ das Rabattgesetz fallen und der Verbraucher daraufhin sämtliche Hemmungen. Angestachelt wurde letzter obendrein von einem Technikriesen, dessen clevere Marketingleute obigen Slogan erfanden. Fortan wird wie auf einem Basar gehandelt und gefeilscht und wer den geforderten Preis ohne Murren zahlt, gilt als nicht zurechnungsfähig ... Zumindest in den Augen der Preisjäger.

 

Viele Unternehmen müssen es sich inzwischen gefallen lassen, dass ihre Preispolitik in Frage gestellt wird. Züchter werden zum Teil massiv unter Druck gesetzt, ihre Preise herabzusetzen. Viele reagieren darauf, indem sie Kostenaufstellungen auf ihren Webseiten veröffentlichen. Dies geschieht sicher in der Hoffnung, Interessenten nicht wiederholt erklären zu müssen, warum der Preis für ein Kitten so hoch ist.

 

Ich halte davon nichts. Natürlich ist eine transparente Preispolitik wünschenswert, aber muss man deswegen sein Innerstes nach außen kehren? Ob eine detailierte Kostenaufstellung ein Umdenken in den Köpfen von Ignoranten bewirkt, wage ich zu bezweifeln. Wozu das alles auch? Wenn ich z. B. ein Ticket bei einer Fluggesellschaft kaufe, wird mir doch auch nicht en detail vorgerechnet, wie sich der Flugpreis zusammensetzt. Oder weiß einer der geneigten Leser in welcher Höhe die Personalkosten kalkuliert sind? Wie steht es mit dem Gewinn vor bzw. nach Steuern? Keine Ahnung? Na eben! Unternehmen müssen Gewinne erzielen, um am Markt überleben zu können. Jeder versteht das, besonders der Aktionär. Ich frage mich, warum Züchtern nicht dasselbe Recht zugestanden wird. Warum tut sich der Tierliebhaber damit so schwer? Würde er im Umkehrschluss auf seine Gewinne bei Ebay verzichten? 

 

Unsere Welt wurde im Laufe der nachfolgenden Jahre weiterhin kleiner. 'Globalisierung' wurde zum verheißungsvollen Schlagwort. Größere und kleinere Preiskriege waren an der Tagesordnung. Lachender Dritter - zunächst - der Verbraucher. Der wollte jetzt natürlich in allen Bereichen seines Lebens sparen und trotzdem genießen. Am Ende wird uns dieses Streben nach dem niedrigsten Preis aber das kosten, was uns so wertvoll erscheint: Ein qualitativ hochwertiges Leben. Rückrufaktionen wegen giftigem Kinderspielzeug und diverse Lebensmittelskandale geben uns schon heute einen Vorgeschmack auf das, was uns Verbrauchern zukünftig ins Haus steht.

 

Was das alles mit vertrauensvollem Katzenkauf zu tun hat? Nun, eine ganze Menge. Die Triebfeder dessen worüber ich bisher geschrieben habe, ist die Gier. Gier ist eine Macht, die uns Menschen vorantreibt und zu Höchstleistungen anfeuert, das Gewünschte zu erreichen. Allen Widerständen zum Trotz. Gier lädt zum Mogeln ein. Behauptet, dass das alles doch nicht so schlimm ist, weil es schließlich ein jeder tun würde. Wer nicht mitmacht, wird zum Verlierer abgestempelt und setzt sich dem Hohn und Spott seiner Mitmenschen aus.

 

Gier löst gleichzeitig aber auch Misstrauen und Unsicherheit aus. Viele Menschen sind inzwischen, von unersättlicher Gier getrieben, ständig auf der Suche nach der günstigsten Gelegenheit. Finden sie sie und schließen den Handel ab, nagen sofort Zweifel an ihnen. Sie sind davon überzeugt, dass es beim nächsten Händler ganz sicher noch günstiger gewesen wäre. Finden sie ihn zufällig und entdecken, dass sie bei ihm tatsächlich weniger hätten bezahlen müssen, fühlen sie sich übervorteilt, über den Tisch gezogen.

 

Leider kann jeder von der Gier gepackt werden. Sie verdreht Verkäufern, wie Käufern, die Sinne. Kommt die Gier Arm in Arm mit dem Geiz daher, hat sich eine der unheilvollsten Verbindungen gebildet. Diese Kombination sorgt dafür, dass der gesunde Menschenverstand vollends ausgeschaltet wird.

 

Was das für ein Kitten bedeutet ist ganz einfach:

 

Wächst es in einem seriösen Züchterhaushalt auf, wird es alles bekommen, was es für einen guten Start benötigt. Ob von seinem Verkaufspreis etwas übrig bleibt, wird seinem Züchter wenig ausmachen. Diesem ist nämlich durchaus bewusst, dass er ein schönes (aber sehr teures) Hobby pflegt, bei dem es sehr schnell passieren kann, dass er "zubuttern" muss. Der Käufer, der bereit ist, einen angemessenen Preis für seinen tierischen Partner zu bezahlen, kauft ausschließlich bei so einem Züchter, nachdem er diesen kritisch ausgewählt hat. Dafür bekommt er ein gesundes, gut sozialisiertes Kitten, welches im Laufe der Zeit zu einer kräftigen und munteren Katze heranwachsen wird, die ihm viel Freude bereiten wird.

 

Wächst ein Kitten in einem, sagen wir mal, profitorientiertem Zuchthaushalt auf, sieht die Sache ganz anders aus. Dieser Züchter wird alle Investitionen in das Kitten auf das absolute Minimum, und weniger, beschränken, und trotzdem versuchen den höchstmöglichen Verkaufspreis zu erzielen. Auch um den Preis kranker, schlecht sozialisierter Kitten. Der Käufer, der Geld sparen möchte, weil er nicht einsehen mag, warum er so viel Geld für ein bisschen Fell ausgeben soll, wendet sich an diesen Züchtertyp. Er hat gute Chancen ein ungesundes, behandlungsbedürftiges Kitten zu erwerben, welches sein Leben lang ein Problemfall, physisch wie psychisch, sein wird. Es steht zu befürchten, dass dies diesem Käufertyp aber nicht viel ausmachen wird. Er geht einfach los und kauft sich ein neues Kitten bei einem anderen Vermehrer, nachdem er sein erstes Kitten im örtlichen Tierheim mit dem Hinweis auf eine Tierhaarallergie entsorgt hat ...  

 

Ich möchte an die seriösen Züchter appellieren: "Lassen Sie sich von gierigen Kunden nicht in die Enge treiben. Seien Sie stolz auf Ihre Zuchterfolge und kümmern Sie sich auch weiterhin liebevoll und kompetent um Ihre Katzen und deren Babys. Suchen Sie wie bisher Bauchkrauler und Dosenöffner passend zu den jeweiligen Kitten aus und setzen Sie unbelehrbare Besserwisser einfach vor die Tür."

Kunden, die bei ihnen kaufen, möchte ich von ganzem Herzen danken und ihnen sagen, dass ich mir wünsche, dass es mehr Menschen wie sie gibt! Ich vertraue darauf, dass sie sich liebevoll und gut informiert um ihre Fellnasen kümmern werden und wünsche ihnen allen ein glückliches und langes gemeinsames Leben!

 

Unseriöse Züchter, welche ich lieber als gewissenlose Vermehrer bezeichne, sind es einfach nicht wert, dass ich länger als nötig auf ihre Existenz eingehen. Ich möchte nur folgendes loswerden: "Hören Sie auf, auf Kosten von Lebewesen Geld verdienen zu wollen. Hören Sie auf, Tiere für Ihre Zwecke zu missbrauchen. Was Sie treiben ist schlicht und einfach Prostitution!" Ihre Kunden möchte ich herzlich bitten, solch schändliches Treiben nicht zu unterstützen. Sollten sie aber trotzdem bei einem Vermehrer schachern wollen, stelle ich ihnen einen ganz einfache Frage: "Sind Sie wirklich sicher, den günstigsten Preis gezahlt zu haben?"

 

Mein Fazit: "Geiz ist nicht g..l."


Er geht zu Lasten der uns anvertrauten Tiere und macht auf Dauer

unser aller Leben um so vieles ärmer!

 

 

 

 

Wir widmen diese Geschichte dem Tierschutz. Diese Geschichte darf daher gern weitergegeben werden. Kommerzielle Zwecke sind hiervon natürlich ausgeschlossen! Fertigen Sie so viele Kopien an, wie Sie möchten und/oder stellen Sie sie auf Ihrer Webseite ein! Machen Sie bewusst, dass Tierschutz beim eigenen Tier beginnt und wahre Tierliebe darin besteht, die eigenen Wünsche dem Wohlbefinden des Tieres unterzuordnen! Sie dürfen natürlich auch gern das weitere Infomaterial unserer Tierschutzseite verwenden! Ihre AnnaFelicitas