Gedichte mit Katzen

 

 

 

 

 

 

 

Die Katzen

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,
Und ihre Leiber fließen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füße breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.

Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.

Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.


Maria Luise Weissmann

1899-1929

 

 

 

 

Katze und Mond

Rundlich geworden streichelt der Mond seine Katze
und erzählt ihr was Schnurriges von den Gezeiten

Das Meer lauscht heimlich mit
und tauscht Ebbe und Flut

Nur so um die Katze zu amüsieren

Vielleicht aber auch um ihr Eindruck zu machen
was ein so altes Meer alles noch kann


© Jörg Neugebauer

 

Veröffentlichung auf dieser und anderen Seiten

mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Herzlichen Dank, lieber Herr Neugebauer!

Aus: J.N., Die Stille bricht aus den Wolken

Silver Horse Edition

www.railroadverlag.de/

 

 

 

 

Versonnen
 
Versonnen nehmen sie die
edlen Haltungen
der großen Sphinxe ein,
die ausgestreckt
in tiefen Einsamkeiten ruhen
und zu entschlummern
scheinen
in endlosem Traum


Charles Baudelaire

1821-1867

 

 

 

 

Rätselvolle Katze

In meinem Hirn, als wär's ihr eigner Raum,
Schleicht auf und nieder auf der weichen Tatze
Geschmeidig sanft die schöne, stolze Katze.
Und ihrer Stimme Tun vernimmt man kaum.

So zart und heimlich ist ihr leis' Miauen.
Und ob sie zärtlich, ob sie grollend rief,
Stets ist der Klang verhalten, reich und tief
Und Zauber weckend und geheimes Grauen.

Die Stimme, die schwere Perlen sank
In meines Wesens dunkle Gründe nieder,
Erfüllt mich wie der Klang der alten Lieder,
Berauscht mich wie ein heißer Liebestrank.

Sie schläfert ein die grausamsten Verbrechen,
Verzückung ruht in ihr. Kein Wort tut not,
Doch alle Töne stehn ihr zu Gebot
Und alle Sprachen, die die Menschen sprechen.

Auf meiner Seele Saitenspiel ließ nie
Ein andrer Bogen so voll Glut und Leben
Die feinsten Saiten schwingen und erbeben,
Kein anderer so königlich wie sie,

Wie deine Stimme, rätselvolles Wesen,
Seltsame Katze, engelsgleiches Tier,
Denn alles, Welt und Himmel, ruht in ihr,
Voll Harmonie, holdselig und erlesen.


Charles Baudelaire

1821-1867

 

 

 

 

Die Katze

Komm, schöne Katze, und schmiege dich still

An mein Herz, halt zurück deine Kralle.

In dein Auge ich träumend versinken will,

Drin Achat sich verschmolz dem Metalle.

Wenn meine Hand liebkosend und leicht

Deinen Kopf und den schmiegsamen Rücken,

Das knisternde Fell dir tastend umstreicht

Sanft, doch berauscht vor Entzücken,

Dann seh' ich sie. Und ihres Blickes Strahl

Er scheint dem deinen, schönes Tier, zu gleichen,

Ist tief und kalt, scharf wie geschliffner Stahl,

Und feine Düfte fühl' ich zitternd streichen,

Gefährlich süßen Hauch, der gluterfüllt

Den braunen Leib von Kopf zu Fuß umhüllt.

Charles Baudelaire

1821-1867

 

 

 

 

Die Sphinx

In einer Zimmerecke wacht,
schon länger, als ich denken kann,
Die schöne Sphinx und schweigt mich an
im Wechselspiel von Tag und Nacht.

Ganz ungerührt und unbewegt
verharrt die finstere Gestalt.
Der Silbermond, der lässt sie kalt,
selbst Sonnenschein sie nicht erregt.

Der Himmel rötet sich und bleicht,
die Flut des Mondlichts steigt und sinkt.
Der Dämmerung es nicht gelingt
und auch der Nacht nicht, dass sie weicht.

Die Zeit verrinnt, Nacht folgt auf Nacht,
und immer noch die Katze träumt;
Mit sanften Augen , goldgesäumt,
hält sie auf ihrem Teppich Wacht.

Sie ruht , ihr Katzenauge starr,
und zu den spitzen Ohren drängt
Das Nackenhaar, mit gelb gesprengt;
das braune Fell ist seidenzart....

Mein träger Liebling, komm heran,
und leg' den Kopf mir in den Schoß,
Damit ich dir den Nacken kos'
und deinen Samtleib streicheln kann ...

 
Oscar Wilde

1854-1900

 

 

 

 

This poem just about sums us up!!

Cats!

There's a danger you know.
You can't own just one, for the craving will grow.
There's no doubt they're addictive, wherein lies the danger
While living with lots, you'll grow poorer and stranger.

One cat is not trouble, and two are so funny,
The third one is easy, the fourth one's a honey
The fifth is delightful, the sixth ones a breeze.
You find you can live with a house full, with ease.

So how 'bout another? Would you really dare?
They're really quite easy, but Oh Lord, the hair!
With cats on the sofa and cats on the bed,
And crates in the kitchen, its no bother, you said.

They're really no trouble, their manners are great.
What's just one more cat and one more little crate?
The sofa is hairy, the windows are crusty.
The floor is all footprints, the furniture's dusty.

The housekeeping suffers, but what do you care?
Who minds a few nose prints and a little more hair?
So let's keep a kitten, you can always find room.
And a little more time for the dust cloth and broom.

There's hardly a limit to the cats you can add
the thought of a cutback, sure makes you feel sad.
Each one is special, so useful, so funny,
The food bill grows larger, you owe the vet money.

Your folks never visit, few friends come to stay,
Except other cat folks, who live the same way.
Your lawn has now died and your shrubs are dead, too.
Your weekends are busy, you're off with your crew.

There's cat food and vitamins, grooming and shots
And entries and travel and motels, which cost lots.
Is it worth it you wonder? Are you caught in a trap?
Then that favourite comes up and climbs in your lap.

His look says you're special and you know that you will
Keep all of the kittens in spite of the bill.
Some just for showing and some just to breed
And some just for loving, they all fill a need.

Late evening is awful, you scream and you shout
At the cats on the sofa, who refuse to get up.
The cats and the cat shows, the travel, the thrills
The work and the worry, the pressure, the bills.

The Whole thing seems worth it, the cats are your life.
They're charming and funny and offset the strife.
Your lifestyle has changed, things just won't be the same.
Yes, those cats are addictive and so is the cat game!


Author unknown

 

 

 

 

Geliebte Katze

Du liebst doch Deine Mieterin, die Maus,
Obwohl sie Unheil schafft im Haus.
Du liebst aber auch die "böse" Katze,
Die Todfeindin von Maus und Ratze.
Sie folgt ja nur dem Gesetz ihrer Art,
Und Triebe sind weder blind noch zart.

Sieh nur, wie sie voll Anmut schleicht
auf samtnen Pfoten, leis und weich.
Und ihr Schnurrn am winterlichen Feuer
Ist tröstlich wie der Klang der Leier.

William Wordsworth

1770-1850

 

 

 

 

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
So müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
Und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
Der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
Ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
In der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
Sich lautlos auf. - Dann geht ein Bild hinein,
Geht durch der Glieder angespannter Stille -
Und hört im Herzen auf zu sein.


Rainer Maria Rilke

1875-1926

 

** Grandios gesprochen von Otto Sander (Rilke Projekt) **

 

 

 

 

Wie spricht man eine Katze an

Nun wisst ihr von uns Katzen viel,
von uns'rer Arbeit, uns'rem Spiel.
Auch, dass wir ganz verschieden sind
und selten ganz zufrieden sind.

Nun fällt euch die Erkenntnis leicht,
wie sehr der Mensch der Katze gleicht.
Ihr wisst, wie man uns richtig nennt,
weil ihr die wahren Namen kennt.

Nur eins habt ihr noch nicht erfahr'n:
Wie spricht man eine Katze an?

Wohl dem, der sich zuvor besinnt,
dass Katzen keine Hunde sind.
Wohl dem, der sich zuvor besinnt,
dass Katzen keine Hunde sind.

Bei Katzen, sagt man, gilt der Rat:
Sprich erst, wenn sie gesprochen hat.
Ich selbst jedoch halt nichts davon,
die Katze grüßen soll man schon.

Nur denk daran zu jeder Zeit:
Sie hält nichts von Vertraulichkeit.
Verbeug dich tief, geh auf sie zu
und sag zu ihr: "Oh, Katze, du."

Den leeren Worten traut sie nicht.
Bevor man ihr von Freundschaft spricht,
will sie zuerst Beweise seh'n,
wenns geht in Form von Sahnecreme.

Und hast du nicht Pastete da,
versuch es halt mit Kaviar.
Sie schätzt gewiß auch Räucherlachs,
als Zeichen deines guten Geschmacks.

Und wenn sie dich dann leiden kann,
sprich sie mit Namen an.

Die Katze ist kein Spielobjekt,
sie fordert Achtung und Respekt.
Dies merk' dir wohl und denk daran:
So spricht man eine Katze an.


Musical "Cat´s" A.L. Webber/T.S. Eliot,

dtsch. T: M. Kunze

 

 

 

 

Katzentier

Eines Sonntags, völlig arglos,
sitzt beim Kaffee du um vier.
Plötzlich maunzt es, raschelt, kratzt es-
es erscheint ein Katzentier.


Mit den Pfoten samtenzart,
unnachahmlich in der Art,
schleicht es sich mit viel Allüre
heimlich durch die Hintertüre.


Schlabbert zierlich und mit Wonne
Milch, die du ihm eingegossen.
Und schon hast du ganz ungeplant
einen neuen Hausgenossen.

Unnütz, Unmut zu bekunden
denn noch eh du dich versehn,
hat er seinen Platz gefunden
und das Wunder ist geschehn.


Schnurrend drang er in Dein Leben,
das er zärtlich nun regiert.
Macht zum Katzennarr dich eben-
stahl dein Herz ganz ungeniert.

Autor leider unbekannt

 

 

 

 

Katzenzauber

Ihr Fell schimmert im Sonnenlicht,
ihre Augen leuchten im Mondelein,
was ist das?
Ihr Gesicht ist zart und klein,
ihre Körper ist geschmeidig und rein,
was ist das?
Ihr Fell, ihre Augen, ihr Gesicht, ihr Körper,
das alles kann nur der KATZENZAUBER sein ...

Autor leider unbekannt

 

 

 

 

An eine Katze

Mein edler Freund, ich bitte sehr:
Komm doch her,
sitz neben mir und schau mich dann
mit Deinen lieben Augen an,
mit Augen voller Glanz und Gold;
Dein Blick, so ist er treu und hold.
Dein wundervolles weiches Fell,
schwarz und hell,
so seidig, üppig, voller Pracht,
wie Wolkenhimmel in der Nacht,
belohnt die Hand, die dich liebkost,
mit freundlicherem Glück und Trost.
Die Hunde freunden gerne sich an
mit jedermann.
Doch du, von lauterer Natur,
liebst deine wahren Freunde nur,
berührst mit deiner Pfote mich -
ja, Lieber, ich verstehe dich.
Was geht wohl vor in deinem Geist -
ach, wer weiß?
Wenig nur ist uns bekannt.
Trotz unsrem Freundschaftsband.
Vielleicht ist's dem Menschen
nur vergönnt,
das er das Leben besser kennt.

Algernon Charles Swinburne

1837-1909

 

 

 

 

An eine Katze

Mein edler Freund, ich bitte sehr:
Komm doch her,
Sitz neben mir und schau mich dann
Mit deinen lieben Augen an,
Mit Augen voller Glanz und Gold;
Dein Blick, so ist er treu und hold.

Dein wundervolles weiches Fell,
Schwarz und hell,
So seidig, üppig, voller Pracht,
Wie Wolkenhimmel in der Nacht
Belohnt die Hand, die dich liebkost,
Mit freundlicherem Glück und Trost.

Die Hunde freunden gerne sich an
Mit jedermann.
Doch du, von lauterer Natur,
Liebst deine wahren Freunde nur,
Berührst mit deiner Pfote mich -
Ja, Lieber, ich verstehe dich.

Was geht wohl vor in deinem Geist -
Ach, wer weiß?
Wenig nur ist uns bekannt.
Trotz unsrem Freundschaftsband.
Vielleicht ist's dem Menschen
Nur vergönnt,
Dass er das Leben besser kennt.

Algernon C. Swinburne

1837-1909

 

 

 

 

Wer schleicht da um die Ecke?

Wer schleicht da um die Ecke,
man hört fast keinen Laut?
Die altbekannte Strecke -
hat da wer miaut?

Wer streicht um meine Beine
und schaut dann zu mir auf?
Die Jacke, die ist meine,
denkt sie und legt sich drauf.

Wer setzt sich da jetzt zu mir
gemütlich auf den Schoß
und schnurrt und purrt ganz leis' hier,
wenn ich sie nur liebkos?

Wer rennt jetzt durch das Zimmer
und jagt den Gummiball?
Darauf folgt dann wie immer
der Sprung zum freien Fall.

Wer legt sich nachts daneben,
wenn ich zu Bette geh?
Ich spür' das freche Streben,
zu ärgern meinen Zeh.

Wer weckt mich morgens leise
und doch mit Dringlichkeit
und fragt auf diese Weise:
"Hast du jetzt für mich Zeit"?

Mein kleines Kätzchen ist es,
das ich hier beschrieb.
Sieh, da vorne sitzt es -
Schaut es nicht ganz lieb?

Copyright und Autorin

© Kirsten Schulitz

 

 

 

 

In meinem nächsten Leben

Dösen, schlummern, ratzen,
entspannen alle Tatzen,
sitzend und im Liegen
in Träume tief sich wiegen,
freudig, selig schnurren,
aus tiefster Seele purren,
herzhaft manchmal gähnen,
nach noch mehr Schlaf sich sehnen,
liebevoll dann schmusen,
dabei im Kopf nur Flusen,
stetig Blödsinn machen,
verstecken kleinste Sachen,
kurz ein bißchen spielen,
dem Ball nach durch die Dielen,
zärtlich auch mal kuscheln,
miauend etwas nuscheln,
feinste Delikatessen,
den ganzen Tag nur fressen,
Lebensglück und Lachen,
sich niemals Sorgen machen.

In meinem nächsten Leben,
dafür würd' ich was geben,
möchte ich ein Kätzchen sein,
ja, das wär' so richtig fein.

Copyright und Autorin

© Kirsten Schulitz

 

 

 

 

... ein kleines Katzengedicht

Letztes Jahr
zur gleichen Zeit
das Kätzchen war
voll Ängstlichkeit.

In Freiheit geboren,
bald eingefangen,
seine Mutter verloren,
die Hoffnung vergangen.

Das Kätzchen, so klein,
mit Äuglein so groß,
zog bald bei uns ein,
versteckte sich bloß.

Es fauchte und knurrte:

"Faß mich nicht an!";
als es mal schnurrte,
war Frühling dann.

Heut' hat das Kätzchen
Vertrauen und Mut,
bei uns Menschen sein Plätzchen,
das tut ihm so gut.

Ich wünsche mir sehr,

daß nächstes Jahr
für manch' Katze mehr
dieser Traum wird wahr.

Denn nichts im Leben
ist so viel wert,
wie Liebe zu geben
- und umgekehrt.

Copyright und Autorin

© Kirsten Schulitz

 

 

Veröffentlichung auf dieser und anderen Seiten

mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Herzlichen Dank, liebe Frau Schulitz!

 

 

Kirsten Schulitz im Worlwideweb:

http://www.katzensprechstunde.de/

und http://www.katzenportal.net/

Zwei Seiten, die wir Ihnen besonders gern empfehlen.

Schauen Sie unbedingt einmal vorbei, es lohnt sich!

 

 

 

 

Die Katze will nichts als Katze sein


Der Mensch möchte Fisch sein und Vogel;
die Schlange möchte gern Flügel haben;
der Hund ist ein irregeleiteter Löwe;
der Ingenieur möchte Dichter sein;
die Fliege studiert Schwalbenflug;
der Dichter trachtet, die Fliege nachzuahmen;
die Katze aber will nichts als Katze sein.

Pablo Neruda

1904-1973

 

 

 

 

Von Katzen

Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,
Maikätzchen,alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim! - Der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,
Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
ich preis mich selbst und meine Menschlichkeit. -
Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitag ist's! - Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die Alte gar - nein, es ist unaussprechlich,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzem Schwänzchen!
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon -
O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen! -

Theodor Storm

1817-1888

 

 

 

 

Junge Kätzchen

Fünf Kätzchen vorm Fenster und Lieschen dazu,

die stehen zusammen schon längst auf du.

Trippelt zum Garten sie in der Früh',

wartet Frau Mietzekatz schon auf sie,

putzt die vier kleinen noch akkurat;

jeder macht gern mit den Kindern Staat.

Die Kätzchen haben heut Augen gekriegt,

gucken ganz dumm und blinzeln vergnügt.

Wenn solch ein großes Wunder gescheh'n,

das muss die Mutter doch auch mal seh'n!

Holt noch ein Näpfchen, so ein klein's,

macht für die Kätzchen was Extrafein's.

Das ist ein Springen, hinauf und hinab,

lecken sich alle Pfoten ab.

Durch den Apfelbaum, schwerbelaubt,

fällt der Mutter ein Strahl aufs Haupt,

glänzt dann auf Lieschens Blondhaar hell,

gleitet hernieder aufs Katzenfell,

bis zu den Kätzchen winzig klein

kriegt jedes ein bisschen Sonnenschein.

Ludwig Jacobowski

1868-1900

 

 

 

 

Das kranke Kätzchen

Kätzchen ist krank,

macht ein traurig Gesicht,

liegt auf der Bank

und rührt sich nicht .

Miau! Ich versteh,

die Maus war zu fett.

Magenweh?

Dann mußt du zu Bett.

Püppchen hör zu,

dem Kätzchen geht's schlecht.

Ist es dir recht;

wir legen's zur Ruh

in dein Bettchen hinein,

decken's warm zu

und wiegen es ein.

Da schläft's eine Stunde,

verdaut seine Maus

und springt dann gesund

zum Bettchen hinaus.

Gustav Falke

1853-1916

 

 

 

 

Maikaterlied

Maikaterlied singt die ganze Nacht:
Der Frühling ist erwacht, erwacht,
Der Frühling ist erwacht!
Gleich einem Reif trägt er den Schwanz;
Wärn Blätter dran, so wärs ein Kranz;
Er flötet:
Oh holde Mimamausamai,
Wer dich zu lieben wagt, der sei
Getötet!
Ich ganz alli-alla-allein,
Nur ich darf dein Geschpusi sein,
Bis dass es morgenrötet.

Im Mai sind alle Blätter grün,
Im Mai sind alle Kater kühn
Und alle Jüngelinge.
Und wer ein Herz hat, fasst sich eins,
Und wer sich keins fasst, hat auch keins;
Singe, mein Kater, singe!

Otto Julius Bierbaum

(Pseudonym Martin Möbius)

1865-1910

 

 

 

 

Spatz und Katze

"Wo wirst du denn den Winter bleiben?"

sprach zum Spätzchen das Kätzchen.

"Hier und dorten, allerorten",

sprach gleich wieder das Spätzchen.

"Wo wirst du denn zu Mittag essen?"

sprach zum Spätzchen das Kätzchen.

"Auf den Tennen mit den Hennen",

sprach gleich wieder das Spätzchen.

"Wo wirst du denn die Nachtruh' halten?"

sprach zum Spätzchen das Kätzchen.

"Lass dein Fragen, will's nicht sagen",

sprach gleich wieder das Spätzchen.

"Ei, sag's mir doch, du liebes Spätzchen",

sprach zum Spätzchen das Kätzchen.

"Willst mich holen - Gott befohlen!"

sprach gleich wieder das Spätzchen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

1798-1874

 

 

 

 

Mauskätzchen

"Mauskätzchen; wo bleibst du?

Mauskätzchen, was treibst du?

In unserem Häuschen

Sind schrecklich viel Mäuschen:

Sie pfeifen und rappeln,

Sie trippeln und trappeln

In Kisten und Schränken,

Auf Tischen und Bänken;

Sie stehlen und naschen

Und will man sie haschen:

Wupp! sind sie fort!"

"Du rufst mich, da bin ich!

Sei still, nun beginn ich

Ein Tänzchen mit allen,

Das soll dir gefallen.

Erst sitz' ich,

Dann schleich' ich,

Dann nah' ich,

Dann weich' ich,

Dann leg' ich mich nieder,

Dann heb' ich mich wieder,

Dann schwing' ich mein Schwänzchen

Und schnurre zum Tänzchen,

Wupp! sind sie da!

Sie tanzen im Kreise

Auf närrische Weise,

Hopp heißa! so munter

Hinauf und herunter.

Dann fass' ich beim Ohr sie,

Dann werf' ich empor sie;

Und fallen sie nieder,

Dann fang' ich sie wieder.

Und will dann die Maus doch

Nun endlich ins Mausloch -

Wupp! beiß' ich sie tot!"

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

1798-1874

 

 

 

 

Die vielen Katzen, welche um mich sind

Die vielen Katzen, welche um mich sind
Die wie versonnen in den Räumen schreiten,
Durch deren Fell oft meine Finger gleiten,
Sind lieber mir als Schwester, Freunde, Kind!

In ihren Augen liegt ein Fragen fremd,
Ein staunendes Nichtkennen, Nichtgekanntsein,
Ein trauriges, vereinsamtes Verbanntsein,
Ein wehes Wundern, dass ihr nicht vernehmt...

Und so versuchen immer wieder weich
Sie eure Seele in geheimem Singen
Ihr aber tut mit ihnen wie mit Dingen,
Und eure Welt ist fern von ihrem Reich!

Max Herrmann-Neiße

1886-1941

 

 

 

 

Gedicht für Katzen

Dämmerung ist die Stunde der Katzen

sie atmen den Tag aus

schleichen schwarz übern Weg

spielen Eisenbahn mit ihren Augen

Die Katzen tragen den Mond fort

sie sprechen in Bildern

lachen im Graben den Unfug aus

verspotten den artigen Wind

Die Jagd auf die Vögel ist verschoben

die Katzen wissen was Recht ist

sie stürmen mein Kartenhaus

verschlingen ungelesen meine Briefe

Ich schreibe: wir sollten die Katzen

loben in der Stunde der Dämmerung

© Friedrich Christian Delius

 

Mit freundlicher Genehmigung des Autors

Herzlichen Dank, lieber Herr Delius!

Selbstporträt mit Luftbrücke. Ausgewählte Gedichte.

Rowohlt Verlag Reinbek 1993, (c) beim Autor. Siehe www.fcdelius.de

 

 

 

 

Schöne Fraun und Katzen

Schöne Fraun und Katzen pflegen

Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,

Weil sie weich sind

Und mit Grazie sich bewegen.

Weil sie leise sich verstehen,

Weil sie selber leise gehen,

Alles Plumpe oder Laute

Fliehen und als wohlgebaute

Wesen stets ein schönes Bild sind.

Unter sich sind sie Vertraute,

Sie, die sonst unzähmbar wild sind.

Fell wie Samt und Haar wie Seide.

Allverwöhnt. – Man meint, daß beide

Sich nach nichts, als danach sehnen,

Sich auf Sofas schön zu dehnen.

Schöne Fraun mit schönen Katzen,

Wem von ihnen man dann schmeichelt,

Wen von ihnen man gar streichelt,

Stets riskiert man, daß sie kratzen.

Denn sie haben meistens Mucken,

Die zuletzt uns andre jucken.

Weiß man recht, ob sie im Hellen

Echt sind oder sich verstellen?

Weiß man, wenn sie tief sich ducken,

Ob das nicht zum Sprung geschieht?

Aber abends, nachts, im Dunkeln,

Wenn dann ihre Augen funkeln,

Weiß man alles oder flieht

Vor den Funken, die sie stieben.

Doch man soll nicht Fraun, die ihre

Schönen Katzen wirklich lieben,

Menschen überhaupt, die Tiere

Lieben, dieserhalb verdammen.

Sind Verliebte auch wie Flammen,

Zu- und ineinander passend,

Alles Fremde aber hassend.

Ob sie anders oder so sind,

Ob sie männlich, feminin sind,

Ob sie traurig oder froh sind,

Aus Madrid oder Berlin sind,

Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau, –

Auch wer weder Katz noch Frau

Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen,

Wenn sie beide schön sind, schauen.

Doch begegnen Ringelnatzen

Häßlich alte Fraun mit Katzen,

Geht er schnell drei Schritt zurück.

Denn er sagt: Das bringt kein Glück.

Ringelnatz, Joachim

1883-1934

 

 

 

 

Mausi Mausejäger

Mausi heißt die kleine Katze,
die mit ihrer scharfen Tatze
spielerisch nach allem haut,
doch nicht nach den Mäusen schaut.

Und so tun die Mäus´ mitnichten
vor der Katze Mausi flüchten.
Sie schaun ihr beim Spielen zu,
haben vor ihr ihre Ruh.

Mausis Herrchen ist erschrocken.
Keine Maus kann Mausi locken.
„Hey, du faules Katzentier!”,
ruft er laut. „Was ist mit dir?”

„Mäuse fangen sollst du, jagen,
hinter diesen kleinen Plagen.
Tu den Job, tu deine Pflicht!
Zum Träumen brauche ich dich nicht!”

Unerhört bleibt seine Klage.
Mitten in der Mäuseplage
sitzt die Mausi still und froh.
Ihr gefällt das Leben so.

Zu Freunden will die Mäus´ sie machen,
wenn auch alle drüber lachen,
doch ihr Name sei ihr Pflicht:
Mäuse jagt die MAUSI nicht.

© Elke Bräunling

 

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Danke, liebe Elke!

Mehr von der Autorin finden Sie u. a. auf

"Kindergeschichtenturm"

 

 

 

 

Wie heißen die Katzen

Wie heißen die Katzen? gehört zu den kniffligsten Fragen
Und nicht in die Rätselecke für jumperstrickende Damen.
Ich darf Ihnen, ganz im Vertrauen, sagen:
Eine jede Katze hat drei verschiedene Namen.

Zunächst den Namen für Hausgebrauch und Familie,
Wie Paul oder Moritz (in ungefähr diesem Rahmen),
Oder Max oder Peter oder auch Petersilie
Kurz, lauter vernünft’ge, alltägliche Namen.

Oder, hübscher noch, Murr oder Fangemaus
Oder auch, nach den Mustern aus klassischen Dramen:
Iphigenie, Orest oder Menelaus
Also immer noch ziemlich vernünft’ge, alltägliche Namen.

Doch nun zu dem nächsten Namen, dem zweiten:
Den muß man besonders und anders entwickeln.
Sonst könnten die Katzen nicht königlich schreiten,
Noch gar mit erhobenem Schwanz perpendikeln.

Zu solchen Namen zählt beispielsweise
Schnurroaster, Tatzitus, Katzastrophal,
Kralline, Nick Kater und Kratzeleise
Und jeden der Namen gibt’s nur einmal.

Doch schließlich hat jede noch einen dritten!
Ihn kennt nur die Katze und gibt ihn nicht preis.
Da nützt kein Scharfsinn, da hilft kein Bitten.
Sie bleibt die einzige, die ihn weiß.

Sooft sie versunken, versonnen und
Verträumt vor sich hinstarrt, ihr Herren und Damen,
Hat’s immer und immer den gleichen Grund:
Dann denkt sie und denkt sie an diesen Namen

Den unaussprechlichen, unausgesprochenen,
Den ausgesprochenen unaussprechlichen,
Geheimnisvoll dritten Namen.

T. S. Eliot

1888-1965

 

 

 

 

Mimi

Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,
Nicht im frommen Stübchen spinn ich.
Auf dem Dach, in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.

Wenn ich sommernächtlich schwärme,
Auf dem Dache, in der Kühle,
Schnurrt und knurrt in mir Musik,
Und ich singe was ich fühle.

Also spricht sie. Aus dem Busen
Wilde Brautgesänge quellen,
Und der Wohllaut lockt herbei
Alle Katerjunggesellen.

Alle Katerjunggesellen,
Schnurrend, knurrend, alle kommen,
Mit Mimi zu musizieren,
Liebelechzend, lustentglommen.

Das sind keine Virtuosen,
Die entweiht jemals für Lohngunst
Die Musik, sie blieben stets
Die Apostel heilger Tonkunst.

Brauchen keine Instrumente,
Sie sind selber Bratsch und Flöte;
Eine Pauke ist ihr Bauch,
Ihre Nasen sind Trompeten.

Sie erheben ihre Stimmen
Zum Konzert gemeinsam jetzo;
Das sind Fugen, wie von Bach
Oder Guido von Arezzo.

Das sind tolle Symphonien,
Wie Capricen von Beethoven
Oder Berlioz, der wird
Schnurrend, knurrend übertroffen.

Wunderbare Macht der Töne!
Zauberklänge sondergleichen!
Sie erschüttern selbst den Himmel,
Und die Sterne dort erbleichen.

Wenn sie hört die Zauberklänge,
Wenn sie hört die Wundertöne,
So verhüllt ihr Angesicht
Mit dem Wolkenflor Selene.

Nur das Lästermaul, die alte
Prima-Donna Philomele
Rümpft die Nase, schnupft und schmäht
Mimis Singen - kalte Seele!

Doch gleichviel! Das musizieret,
Trotz dem Neide der Signora,
Bis am Horizont erscheint
Rosig lächelnd Fee Aurora.

Heinrich Heine

1797-1856

 

 

 

 

Cats in Every Space

I live a very simple life
with cats in every space
But when I got to bed at night
they sleep upon my face.

Now to live without the luxury
of cats in every space
Would be to live a sorry life
in a very sorry place.

I've never been without a cat
and this I can uphold
I'll have a cat in every space
Until I'm gray and old.

For every fool should be aware
that cats are complex creatures
they live about in every space
And give the house its features.

Now take my house away from me
and place me in a tent
I'll have a cat in every space
And still I'll be content.

by Mark A. Dye

 

 

* More beautiful cat poems *

 

 

 

 

 

Pangur Bán

"Ich und Pangur, meine Katze und Weiser

Gehen unseren Geschäften nach;

Ich setze meinen geliebten Seiten zu,

Er den Mäusen.

Niemals gelangweilt, beide konzentriert,

Jeder nach seinen Fähigkeiten

Erst nach Stunden bewegen wir uns

Zum tödlichen Schlag.

Auf die Wand meiner Zelle

Starrt er mit brennenden Augen,

Meine alten Augen suchen

Nach neuer Erkenntnis,

Er ist begeistert, wenn er seine Krallen

In eine Beute schlägt

Und ich, wenn ich plötzlich

Erleuchtet werde.

So finden wir beide

Unseren Frieden in der Einsamkeit,

Wir beide sind allein,

Und jeder befasst sich mit dem, was er liebt:

Der weder tags noch nachts faule Pangur

Fängt Mäuse

Und ich jage vom Dunkel bis ins Licht

Jedem Rätsel nach."

Aus dem Manuskript eines irischen Mönches

aus dem 8. Jahrhundert

 

 

© Country Patch Collection

 

 

Original und Übersetzung

     

Gaelic

Messe agus Pangur Bán,
cechtar nathar fria shaindán:
bíth a menmasam fri seilgg,
mu menma céin im shaincheirdd.

Caraimse fos, ferr cach clú
oc mu lebrán, léir ingnu;
ní foirmtech frimm Pangur bán
caraid cesin a maccdán

Ó ru biam, scél gan scís
innar tegdais, ar n-óendís,
táithiunn, díchríchide clius
ní fris tarddam ar n-áthius

Gnáth, húaraib, ar gressaib gal
glenaid luch inna línsam;
os mé, du-fuit im lín chéin
dliged ndoraid cu ndronchéill

Fúachaidsem fri frega fál
a rosc, a nglése comlán;
fúachimm chéin fri fégi fis
mu rosc réil, cesu imdis.

Fáelidsem cu ndéne dul
hi nglen luch inna gérchrub;
hi tucu cheist ndoraid ndil
os mé chene am fáelid.

Cia beimmi a-min nach ré
ní derban cách a chéile
maith la cechtar nár a dán;
subaigthius a óenurán

Hé fesin as choimsid dáu;
in muid du-ngní cach óenláu;
du thabairt doraid du glé
for mu muid céin am messe.

 

Aistrithe ag Robin Flower

 

English

I and Pangur Bán, my cat
'Tis a like task we are at;
Hunting mice is his delight
Hunting words I sit all night.

Better far than praise of men
'Tis to sit with book and pen;
Pangur bears me no ill will,
He too plies his simple skill.

'Tis a merry thing to see
At our tasks how glad are we,
When at home we sit and find
Entertainment to our mind.

Oftentimes a mouse will stray
In the hero Pangur's way:
Oftentimes my keen thought set
Takes a meaning in its net.

'Gainst the wall he sets his eye
Full and fierce and sharp and sly;
'Gainst the wall of knowledge I
All my little wisdom try.

When a mouse darts from its den,
O how glad is Pangur then!
O what gladness do I prove
When I solve the doubts I love!

So in peace our tasks we ply,
Pangur Bán, my cat, and I;
In our arts we find our bliss,
I have mine and he has his.

Practice every day has made
Pangur perfect in his trade;
I get wisdom day and night
Turning darkness into light.

 

Translated by Robin Flower

     

 

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